Blockchain-Forschung als Brücke zwischen Wissenschaft, Wirtschaft und Verwaltung

Wie das IABC dabei hilft, Wissen in die Welt zu tragen

Am 29. Juni begrüßten Benjamin Henrich und das Institute for Applied Blockchain (IABC) der Digital Business University (DBU) eine Delegation der Financial Blockchain Division der Busan Metropolitan City aus Südkorea. Im Mittelpunkt des Besuchs stand der internationale Austausch über die Zukunft der Blockchain-Technologie und ihre Anwendung in Verwaltung, Wirtschaft, Bildung und Forschung.

Die südkoreanische Delegation verfolgt das langfristige Ziel, Forschungszentren, öffentliche Verwaltung und Industrie in Busan enger miteinander zu vernetzen, um die Entwicklung und den Einsatz innovativer Blockchain-Lösungen voranzutreiben. Genau an dieser Schnittstelle arbeiten auch die Expertinnen und Experten des IABC seit mehreren Jahren.

Blockchain braucht weitere Grundlagenforschung

Nach der Begrüßung durch Data-Science-Experte Prof. Dr. Martin Manhembué stellte Benjamin Heurich die Arbeit des Instituts und dessen Forschungsschwerpunkte vor.

Das IABC beschäftigt sich mit den wirtschaftlichen, wissenschaftlichen und gesellschaftlichen Grundlagen der Blockchain-Technologie. Benjamin Heurich gehört dem Institut seit circa vier Jahren an. Auch zuvor beschäftigte er sich bereits über zwölf Jahre in den Sozialwissenschaften mit den gesellschaftlichen Auswirkungen disruptiver Technologien.

“Blockchain befindet sich noch in einer relativ frühen Entwicklungsphase”, erklärte Heurich. Während Themen wie Data Science oder Künstliche Intelligenz inzwischen fest in Forschung, Lehre und dem gesellschaftlichen Diskurs angekommen seien, müsse im Bereich Blockchain zunächst noch umfangreiche Grundlagenforschung geleistet werden. Ziel des Instituts ist es daher, technologische, wirtschaftliche und gesellschaftliche Aspekte der Blockchain zu erforschen und daraus tragfähige Lehrkonzepte für die Hochschulbildung zu entwickeln.

Forschung an den zentralen Zukunftsthemen der Blockchain

Die Forschungsarbeit des IABC verbindet technische Innovation mit wirtschaftlichen und gesellschaftlichen Fragestellungen. Zu den Schwerpunkten gehören unter anderem:

  • Digitale Identitäten und Self-Sovereign Identity
  • Digitale Dokumente, Zertifikate und Micro-Credentials
  • Track-and-Trace-Systeme, Smart Contracts und Datenintegrität
  • Token Economy, digitale Vermögenswerte und Kryptowährungen
  • Decentralized Science (DeSci), Open Education und dezentrale Organisationsformen (DeSoc)

Insbesondere das Konzept der Dezentralisierung eröffnet neue Perspektiven für Wissenschaft und Bildung. Forschung soll künftig nicht mehr ausschließlich von einzelnen Institutionen oder Staaten gesteuert werden, sondern weltweit kollaborativ entstehen. Gleichzeitig stellt sich die Frage, wie innerhalb solcher offenen Netzwerke Vertrauen, Reputation und Entscheidungsprozesse organisiert werden können.

Von der Forschung in die Lehre

Neben der wissenschaftlichen Grundlagenarbeit verfolgt das Institut das Ziel, Blockchain verständlich und praxisnah in die akademische Lehre zu integrieren. Dafür werden soziale, wirtschaftliche und technische Aspekte der Technologie in ganzheitliche Lehrkonzepte übersetzt.

“Wir benötigen zunächst ein solides wissenschaftliches Fundament. Erst darauf aufbauend können nachhaltige Bildungsangebote entstehen”, erläuterte Heurich.

Blockchain in Bildung und Wissenschaft

Wie Blockchain Bildung verändern kann, zeigen verschiedene Forschungs- und Praxisprojekte des Instituts.

Ein Beispiel ist eine dezentrale Bildungsplattform auf Basis der Cardano-Blockchain. Dort kommen Schulen, Hochschulen und Lernende weltweit zusammen, um neue Formen des digitalen Lernens zu erproben. Innovative Ansätze wie “Read-to-Earn” ermöglichen es beispielsweise, Lernleistungen über Token-Systeme sichtbar und nachvollziehbar zu machen.

Auch die australische Initiative Selfdriven Foundation entwickelt eine Blockchain-basierte Bildungsplattform, auf denen Lernangebote von der Grundschule bis zur beruflichen Weiterbildung dezentral organisiert werden. Mehrere Universitäten testen dort unterschiedliche Modelle für tokenbasierte Lernökosysteme.

Austausch zwischen Wissenschaft und Politik

Ein weiterer Schwerpunkt des Instituts liegt im Dialog mit Politik und Gesellschaft. Benjamin Heurich engagiert sich gemeinsam mit seinem Kollegen Bence Lukàcs im Bundesblock e. V., dem größten deutschen Blockchain-Verband. Dort leiten beide die Arbeitsgruppe Wissenschaft.

Der Bundesblock bringt Expertinnen und Experten aus Wirtschaft, Forschung und Politik zusammen und begleitet unter anderem Debatten zu digitalen Währungen, rechtlichen Rahmenbedingungen für DAOs und NFTs sowie Fragen der Datensicherheit. Durch diesen Austausch fließen wissenschaftliche Erkenntnisse direkt in politische Entscheidungsprozesse ein.

BioBlock: Blockchain für sensible Forschungsdaten

Ein besonderes Beispiel für die anwendungsorientierte Forschung des IABC ist das Projekt BioBlock. Das vom Bundesministerium für Forschung, Technologie und Raumfahrt (BMFTR) geförderte Pilotprojekt entwickelt einen dezentralen Datenmarktplatz für die Bioprocessing-Industrie.

Gerade in diesem Bereich spielen sensible Forschungsdaten und geistiges Eigentum eine zentrale Rolle. Unternehmen und Forschungseinrichtungen möchten Daten austauschen und gemeinsam nutzen, gleichzeitig jedoch Wettbewerbsvorteile und Intellectual Property schützen.

Blockchain-Technologie bietet hierfür einen geeigneten Lösungsansatz, indem sie Transparenz, Nachvollziehbarkeit und kontrollierte Zugriffsrechte miteinander verbindet.

An BioBlock arbeiten staatliche und private Hochschulen sowie Unternehmen und Expert:innen in einer dezentralen Community of Practice gemeinsam an einer internationalen Marktplatz-Infrastruktur.

Internationale Zusammenarbeit als Schlüssel

Der Besuch der Delegation aus Busan machte deutlich, dass die Herausforderungen rund um Blockchain längst international gedacht werden. Sowohl in Deutschland als auch in Südkorea stehen Forschungseinrichtungen vor ähnlichen Fragen: Wie können Blockchain-Technologien verantwortungsvoll entwickelt werden? Wie lassen sich Wissenschaft, Verwaltung und Wirtschaft miteinander verbinden? Und wie entstehen daraus innovative Bildungsangebote und neue Formen der Zusammenarbeit?

Das Institute for Applied Blockchain der DBU versteht sich dabei als Plattform für genau diesen Austausch. Mit interdisziplinärer Forschung, internationalen Kooperationen und praxisnahen Projekten leistet das Institut einen wichtigen Beitrag zur Weiterentwicklung der Blockchain-Technologie – von der Grundlagenforschung über die Lehre bis zur praktischen Anwendung.

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