KI mit Haltung

Iris Lanz, AI Expert & AI Leadership

Iris Lanz beschäftigt sich seit Jahren mit digitaler Transformation und der Frage, wie neue Technologien im Berufsalltag konkret nutzbar werden. Als erfahrene Gründerin und Geschäftsführerin begleitet sie Unternehmen und Selbstständige dabei, KI in bestehende Arbeitsrealitäten zu integrieren. Ihr Buch „DU KANNST KI – Ein Ratgeber für Berufserfahrene” stellt den praktischen Zugang in den Mittelpunkt: Wo hilft KI wirklich, wo ist Zurückhaltung angebracht?

Im Rahmen der DBU-Zertifikatslehrgänge AI Expert und AI Leadership hat sie ihr Wissen gezielt vertieft und neue methodische Perspektiven für den strategischen KI-Einsatz gewonnen. Im Interview spricht sie über ihren Alltag mit KI, über Chancen und Grenzen sowie darüber, wie Berufserfahrene einen souveränen Zugang zu KI entwickeln können.

DBU: In deinem Buch „DU KANNST KI – Ein Ratgeber für Berufserfahrene” ermutigst du Menschen dazu, Künstliche Intelligenz aktiv auszuprobieren und für sich zu nutzen. Wie sieht das in deinem eigenen Arbeitsalltag konkret aus? Und in welchen Situationen entscheidest du dich bewusst gegen den Einsatz von KI?

Iris: Einen Social Media Post oder eine E-mail schreibe ich tatsächlich sehr gerne persönlich. Die KI generierten Posts funktionieren einfach nicht und die Sprache nervt mich zuweilen auch. In der Organisation meines Contents und in der Analyse hilft mir aber mein AI Content Agent sehr gut.
Es gibt natürlich immer mehr Bereiche, in denen mich KI unterstützt: Buchhaltung, Pressearbeit, CRM-Verwaltung, Strategie oder Vor- und Nachbereitung von Kundengesprächen.
Allerdings habe ich mit KI auch schon Überraschungen erlebt: Biologische Workshop-Pausen wurden nicht mit eingeplant und auch nicht, dass Workshops von Interaktionen leben, die zeitlich Raum brauchen. Die KI hat dies schlicht nicht mitgedacht. Das Planungszepter meiner Workshops würde ich jedenfalls im Moment der KI nicht vollständig übergeben wollen.

DBU: Du hast den DBU-Zertifikatslehrgang AI Expert und AI Leader erfolgreich abgeschlossen. Was war für dich der ausschlaggebende Grund, dich trotz deiner Vorerfahrung noch einmal intensiv mit diesem Thema auseinanderzusetzen?

Iris: Ich hatte schon vorher andere AI-Kurse belegt. Mir wurde es aber immer wichtiger, mich mit anderen über Lerninhalte auch austauschen zu können. Die Präsenztage und die regelmäßigen digitalen Treffen, auch in Buddy-Lern Gruppen, haben mein Lernerlebnis sehr bereichert. Wir haben heute noch eine WhatsApp Gruppe und treffen uns zu einem Online Alumni-Treffen einmal im Quartal.
In meinem Buch „DU KANNST KI” empfehle ich deshalb auch das Lernen in Gemeinschaft: Such dir andere, egal ob privat oder im Arbeitskontext, und tausch dich über Erfahrungen mit KI aus. Teile Inhalte, die du mit andere reflektieren kannst. Da kann dann das Erlernen vermeintlich trockener Inhalte sehr viel Spaß machen. Lernen in Gemeinschaft bringt zusätzliche Qualität.

DBU: Was hat dir am Lehrgang besonders gefallen? Gab es bestimmte Tools, Frameworks oder Methoden, die du seitdem regelmäßig in deiner Arbeit einsetzt?

Iris: Für eine Organisationsberaterin gibt es viele Bereiche in denen ich das Gelernte direkt anwenden kann. Die Scoring Modelle und Daten-Frameworks helfen bei der Beratungsarbeit besonders. So wird auch meinen Klienten klar, dass ein KI-Einsatz sehr wohl von unterschiedlichen Seiten betrachtet werden muss, um ROI, Machbarkeit und Risiko wirklich beurteilen zu können. Überrascht sind viele bei der Analyse der indirekten Effekte beim Einsatz von KI.

DBU: Du arbeitest eng mit Unternehmen und Selbstständigen zusammen. Wo siehst du aus deiner Erfahrung die größten realistischen Chancen, aber auch die wichtigsten Grenzen von Künstlicher Intelligenz, gerade auch im internationalen Wettbewerb?

Iris: Erstens: Wir sind von Natur aus eher zaudernd, diese „träge Masse” kann man auch im Umgang mit Künstlicher Intelligenz wahrnehmen. Nur 10% bilden sich regelmäßig weiter – das ist zu wenig. Und Zweitens: Viele Projekte scheitern, weil Menschen sich nicht mitgenommen fühlen. Es geht also darum, Menschen zu befähigen, selbst KI beurteilen und gestalten zu können und das bestenfalls, in dem sie den echten Mehrwert in ihrem direkten Arbeitsumfeld sehen, es klare Ziele und Regeln im Umgang mit KI gibt und Führungskräfte als gute Vorbilder vorausgehen. Wir sind ein Land mit brillanten Köpfen, neugierigen Menschen und Kapital. Jetzt müssen wir nur wieder mehr in Bewegung kommen und es sollte auch kein Problem sein etwas mal nicht zu wissen, Fragen zu stellen oder unsicher zu sein.

DBU: Welche drei Empfehlungen würdest du Berufserfahrenen und Führungskräften mitgeben, die KI nicht nur verstehen, sondern strategisch sinnvoll einsetzen wollen?

Iris:

  1. Mache eine Weiterbildung und nimm dir 1-2 Stunden die Woche dafür Lern-Zeit. Dabei nicht vergessen: Du musst nicht alles auf einmal verstehen.
  2. 10 Minuten Neugier am Tag: Ein kurzer Podcast, ein Artikel oder ein Gespräch. Diese alltägliche Neugier verändert deinen Blick und macht dich souveräner im Umgang mit digitalen Entwicklungen.
  3. Nutze dein Umfeld als Resonanzraum: Sprich mit Kollegen, Freunden oder Familie über das, was du hörst, liest oder erlebst. Echtes offenes Nachdenken und nicht sofort urteilen, hilft richtige Antworten für dich zu finden.

DBU: Vielen herzlichen Dank, Iris, dass du deine Eindrücke und Erfahrungen aus den Lehrgängen AI Expert und AI Leadership mit uns geteilt hast! Wir wünschen dir weiterhin viel Freude an deiner Arbeit – und natürlich bei „DU KANNST KI“.

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